+ Haus am See, Werder, 2014-2018

Text, Drawings, Pictures


- Private house


Auf dem höchsten Punkt der Insel Werder bei Berlin befinden sich vier Gebäude unterschiedlichster Art: Ein neogotischer Belvedere, eine Art-Deco Villa, ein Stallgebäude mit angefügter neoklassizistischer Fassade, sowie ein Bungalow aus DDR-Zeiten auf dem Nachbargrundstück (1). Das Haus am See liegt im Hang, inmitten dieser vier Gebäude. Um dem Ensemble zu begegnen, erzählt es die Geschichte eines vorgefundenen, wie schon immer dagewesenen, stil - und typologielosen Steines (2), der zu einem Haus ausgebaut wurde (A-E). Der Stein ist ein hohler Betonkörper (A) in den Öffnungen hinein geschnitten wurden (B).

Der Ausbau erfolgte im Gegensatz zum massiven Beton in Holzbauweise - dabei blieben alle Konstruktionsmaterialien sichtbar. Freistehende Trennwände aus Holz unterteilen den Innenraum. Innen liegende Holzfenster schützen gegen die Witterung (C). Ein Holzpavillon wurde auf das Dach gesetzt (D). Der robuste Betonkörper trägt und schützt den leichten und flexiblen Ausbau, der den Bedürfnissen des Bewohners angepasst werden kann.

Das Haus wird je nach Jahreszeit unterschiedlich genutzt. Im Winter ziehen sich die Bewohner in das Erdgeschoss zurück (I) - im Sommer kommen Terrasse und Pavillon hinzu - die Wohnfläche verdoppelt sich (II). Ein horizontales Schiebefenster trennt den Pavillon im Winter vom Gartengeschoss. Das Jahreszeitenkonzept ist eine Strategie für nachhaltiges Wohnen in Zeiten ausufernder Dämmvorschriften. Die sich im Winter verkleinernde Wohnfläche, spart Ressourcen, Bau - und Heizkosten. Die Abwärme des beheizten Erdgeschosses ermöglicht es den Pavillon in kalten Jahreszeiten als Wintergarten für die Pflanzen der Terrasse zu nutzen. Die Anpassung des Wohnens an die Umwelt schafft eine reale Verbindung zwischen innen und außen - anstelle abgeschotteter Energiesparhäuser.

Von der umlaufenden Terrasse blickt man auf die vorbeifließende Havel. Die Fenster des Pavillons lassen sich vollständig auffalten, sodass der Innenraum nur durch drei aussteifende Wandscheiben gefasst wird. Eine Holztreppe, die gleichzeitig Bücherregal ist, verbindet beide Geschosse. Der offene Hohlraum des Steines ist durch freistehende Holzscheiben unterteilt. Durch die großen Schiebefenster betritt man das steinerne Außenbecken und den zum Fluss abfallenden Garten.


mit Sebastian Sailer ( KOSA Architekten